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2013 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2013 für dieses Blog erstellt. Zum letzten Mal, denn wie ihr wisst, seit Juli blogge ich nur noch bei Curcuma Medien, dafür aber endlich regelmäßig, nämlich jede Woche. Ich würde mich freuen, euch dort zu treffen.

Hier ist ein Auszug:

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 2.500 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 42 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Abschied zum Aufbruch

Ich hasse Stillstand. Nie käme es mir in den Sinn, länger als ein Jahr die gleiche Frisur zu tragen – oder ständig den gleichen Schmuck. Ich mag es, die Wohnung und Schränke regelmäßig umzuräumen und genieße es, regelmäßig andere Orte zu erkunden als nur die heimischen Gefilde. Doch um Neues auszuleben, muss man sich nun mal gelegentlich von Altem trennen. Dieses Schicksal ereilt heute auch diesen Blog.

 

anitagrasse.wordpress.com wird ab sofort nicht mehr gepflegt und in ein paar Monaten ganz vom Netz getilgt. Doch das gilt nur für den Rahmen, den Inhalt findet ihr weiterhin – und in Zukunft nicht nur alle paar Monate, sondern regelmäßig jeden Dienstag, nämlich hier. Dass ich seit einiger Zeit Mitglied bei Curcuma Medien bin, ist ja bekannt. Nun haben wir vier auch unser digitales Zuhause bezogen und bloggen abwechselnd, aber eben unter einem Dach.

 

Jeden Dienstag werde ich im „Funkenflug“ der Kreativität nachspüren. Los geht es gleich mit einer Serie, die Techniken vorstellt, die die Kreativität anregen, Blockaden lösen oder neue Perspektiven und Blicke auf Probleme ermöglichen. Ich würde mich freuen, wenn ihr dort mal vorbei schaut. Den ersten Eintrag findet ihr direkt hier.


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Ergebnis einer Lächelwoche

Foto: twinlili  / pixelio.de

Foto: twinlili / pixelio.de

Montag: Wenn eine Lächelwoche so beginnt, braucht es eine Menge Sturheit, um dranzubleiben. Dafür sorgten ein Beinahe-Unfall und die absolute Gewissheit, dass ich alle, wirklich alle anlächeln kann, aber niemals mich selbst – jedenfalls nicht so früh am Morgen, ungeschminkt und noch im Halbschlaf. Daran änderte sich die ganze restliche Woche nichts. Allerdings startete die Lächelwoche so richtig auch erst einen Tag später. Am Montag vergaß ich nämlich immer wieder zu lächeln.

Dienstag: Ein bisschen enttäuscht war ich , dass niemand überhaupt bemerkt hat, dass ich ständig lächelte. Keiner fragte, warum ich so gut drauf war. Es fragte nicht mal jemand, ob ich (psychologische) Hilfe brauche. Zunächst versuchte ich, noch mehr zu lächeln. Aber ich musste feststellen, dass das dann eben doch nicht immer angebracht ist. Der Besitzer der Tierpension, den ich an diesem Tag überzeugen wollte, mich für eine Reportage ein paar Stunden in seinem Betrieb mitlaufen zu lassen, hätte sich sicher nicht so kooperativ gezeigt, wenn ich seine Schilderungen über die Schwierigkeiten, die er am Anfang hatte, mit einem Dauergrinsen begleitet hätte. Deshalb beschloss ich irgendwann, das ausbleibende Feedback als Kompliment zu nehmen: Immerhin kann man das ja auch dahingehend interpretieren, dass ich immer schon viel gelächelt habe und eine Lächelwoche deshalb gar nicht als ungewöhnlich auffällt.

Mittwoch: Zeit für das Straßenexperiment. Wie geplant lächelte ich zunächst alte Menschen und Kinder an, um die Hemmschwelle zu senken. Bei den Älteren klappte das auch prima. Die meisten runzelten nicht einmal irritiert die Stirn, sondern freuten sich einfach und lächelten zurück. Ein gutes Gefühl. Danach fühlte sich mein eigenes Lächeln auch nicht mehr aufgesetzt an, nicht mehr wie eine Maske, sondern wie ein echtes Gefühl. Dafür hätte man mich für das Experiment mit den Kindern tatsächlich beinahe weggesperrt – jedenfalls deutete ich so den Blick vieler begleitenden Erwachsenen. Ich finde es traurig, dass man zu einem Verdächtigen wird, nur weil man ein Kind nett anlächelt. Sogar die Kinder selbst – jedenfalls spätestens ab dem Grundschulalter – reagierten auf mein Lächeln nicht wie erwartet. Kein einziges erwiderte die Geste. Einige starrten mich einfach nur unbewegt an, als wollten sie herausfinden, was wohl hinter der seltsamen Grimasse steckt. Dem standzuhalten ist deutlich schwerer, als man glaubt. Einige andere Kinder reagierten mit sichtbarer Ablehnung, andere mit Erschrecken. Seither frage ich mich, ob man als Elternteil tatsächlich gezwungen ist, seinen Kindern beizubringen, dass ein Lächeln fremder Menschen etwas potenziell schlechtes ist, weil man sie nur so schützen kann. Oder sollte es nicht vielmehr Aufgabe der Erwachsenen sein, den Kindern die Sicherheit zu geben, unbeschwert und natürlich auf Freundlichkeit zu reagieren und sie zugleich zu lehren, Freundlichkeit nicht mit Vertraulichkeit zu verwechseln?

Donnerstag: Zeit für eine erste Bilanz, immerhin war die Arbeitswoche so gut wie vorbei. Am Freitag wollte ich von zu Hause aus arbeiten und für das Wochenende hatte ich Pläne, die es unmöglich machten, nicht zu lächeln. Die Lächelwoche war bis hierhin ein voller Erfolg. Keine größeren Katastrophen mehr, wenig Stress, viel positives Gefühl. Kann aber auch einfach daran gelegen haben, dass die Woche einfach extrem entspannt war. Trotzdem: Zwei Termine, die normalerweise ein hohes Frustpotenzial bieten, liefen geschmeidig. Ich bilde mir nun gerne ein, dass das auch am Lächeln gelegen hätte. Immerhin würde das bedeuten, dass ich zumindest eine grundlegende Kontrolle darüber habe, WIE beschissen eine Woche wird. Und wie schon mein Vater immer sagt: Einbildung ist schließlich auch eine Bildung.

Freitag: Man soll den Tag eben nicht vor dem Abend loben. Die größte Herausforderung der Woche: Lächeln, auch wenn man eigentlich lieber Zähne zeigen würde. Ich hab es nicht geschafft. Ich bin zu stur und definitiv nicht ich-halte-auch-die-andere-Wange-noch-hin-genug, um einen Streit mit einem lächelnden Versöhnungsangebot zu beenden – jedenfalls nicht, wenn ich das Gefühl habe, ungerecht behandelt worden zu sein. Aber immerhin: Ich war an diesem Tag auch laufen und habe sogar versucht, die Rücken derjenigen anzulächeln, die mich überholt haben – und das waren nicht eben wenige. Aber ich blieb gelassen und gönnte ihnen ihre Geschwindigkeit, zumal ich mit meiner auch neue Höhen erklommen hatte. Das Lächeln musste ich trotzdem auf halber Strecke einstellen: Mit gespannten Lippen atmet es sich einfach nicht schnell und tief genug.

Samstag und Sonntag: Wie kann man da nicht lächeln?

Fazit: So eine Lächelwoche hilft wirklich. Nicht unbedingt, weil das Feedback automatisch ein freundlicheres wäre und auch nicht, weil ein Lächeln dem Hirn irgendwie Glück suggeriert – meinem jedenfalls nicht. Aber sie hilft, weil man jeden Anlass zum Lächeln bewusster wahrnimmt und deshalb später auch erinnert. So verändert sich das Gefühl für die Woche. Wer viele Lächelmomente erinnert, bewertet eine Woche vermutlich positiver als jemand, der diese winzigen Momente über die großen Stressfaktoren und Frustsituationen total verdrängt. Ich werde das jetzt öfter machen.


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Lächel-Woche

Foto: Livia Schilling / Curcuma Medien

Foto: Livia Schilling / Curcuma Medien

Ich will wissen, ob das Leben wirklich eine Frage der inneren Einstellung ist. Deshalb habe ich mir vorgenommen, die kommende Woche nur zu lächeln. Morgens im Bad beim Blick in den Spiegel: Lächeln. Auf der Straße, wenn mir andere Menschen begegnen: Lächeln – und sie dabei auch noch ansehen. Im Büro die lieben Kollegen: Anlächeln. Abends, wenn der Liebste mir die Tür aufmacht: Lächeln, statt meinen Frust bei ihm abzuladen.

Wenn all die „Wünsch dich glücklich“-Buchautoren Recht haben, müsste allein dieses Vorhaben ausreichen, um Blümchen regnen zu lassen und mich mit schillernden Regenbögen, Schmetterlingen und niedlichen Bambis zu umgeben.

Aber selbst wenn man realistischere Erwartungen zugrunde legt, setze ich darauf, dass die Lächel-Woche für einen leichteren Alltag sorgt. Ich bin gespannt, ob die Menschen auf der Straße zurücklächeln oder mich wegsperren lassen. Vermutlich sollte ich erstmal an Kinder und Alten üben. Erstere finden es vollkommen normal, dass man sie anlächelt, letztere sind dafür in der Regel dankbar. Und wer weiß, vielleicht geht mir das Lächeln ja so leicht von den Lippen, dass ich in Zukunft heutiger eine Lächelwoche einlege. Immerhin: Lächelnd finde ich mich selbst schöner als mit einem grimmigen Gesicht. Und Frauen, die sich schön finden, erleichtern ihrer Umwelt den Umgang mit sich in aller Regel ungemein.


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Foto des Jahres auf einer Dachterrasse in Berlin

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Foto: Liva Schilling/Curcuma Medien

Einmal im Jahr suchen die DJV-Landesverbände Hessen und Thüringen die besten professionellen Fotojournalisten und präsentieren ihre Arbeiten in einer Wanderausstellung. Die gastiert ebenfalls einmal im Jahr sogar in Berlin, in der Thüringer Vertretung. Für uns ist das super, weil die Bilder, die Kollegen und die Probleme der Branche damit auch über die beiden Länder hinaus bekannt werden. Vor allem aber, weil die Vertretung eine Wahnsinnsdachterrasse hat. Jedes Jahr beenden wir dort die Eröffnung der Ausstellung. Immer scheint die Sonne. So war es auch vergangene Woche. Livia Schilling hat das Ganze im Bild festgehalten (hier), und ich schwöre, es gibt Menschen, die hinter einem Kontrabaß weniger bescheuert aussehen als ich.

 

Meine Rede zur Ausstellungseröffnung findet ihr hier. Und weil ich bereits mehrfach gefragt worden bin: Nein, ich habe nichts dagegen, wenn man Metaphern, Formulierungen oder Gedanken für eigene Reden klaut. Nur zu! Ich hätte nur etwas dagegen, wenn man ganze Reden klaut. Die schreibe ich nämlich für andere auch gegen Geld – und zwar hier: http://www.curcuma-medien.de/.


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Danke schön

Es fühlt sich komisch an. Wenn mich jemand fragt, wie alt ich bin, antworte ich seit etwas mehr als einem Monat: „30“. Nun war und ist das für mich nie ein Alter gewesen, das Heulkrämpfe und Sinnkrisen rechtfertigt. Im Gegenteil, ich habe mich darauf gefreut. Dennoch, es fühlt sich komisch an. 30. Das klingt so erwachsen. Nach dem Ende der Suche. Nach Angekommen sein. Nach Kindern, Familie, Hausbau und wissen, was man will. So wäre ich manchmal gerne, aber mit meiner Realität hat das nicht viel gemein. Ich fühle mich noch nicht endgültig angekommen, und bin froh darüber. Der Gedanke, jetzt schon festzulegen, was ich mit dem – hoffentlich langen – Rest meines Lebens machen will, sorgt bei mir für Schnappatmung und Schreckpustel. Ich genieße es, morgens aufzuwachen und zu wissen, dass mein Tag zwar geplant oder organisiert ist, aber nicht so routiniert, dass mich nicht doch noch Überraschungen erwarten könnten.

 

Vielleicht fühlt es sich auch deshalb komisch an, von mir und der 30 in einem Satz zu reden, weil es mir bewusst macht, wie sehr sich mein Leben in den vergangenen Jahren trotzdem verändert hat. Ich wohne inzwischen seit fast fünf Jahren in der selben Stadt, arbeite (in wechselnden Beschäftigungsverhältnissen) für die selben Arbeitgeber, liebe ein und den selben Mann immer noch heiß und innig. Vielleicht fühlt es deshalb komisch an, weil ich still und heimlich längst zur Ruhe gekommen bin, es mir nur noch nicht bewusst gemacht habe.

 

Stimmt schon, mein Alltag ist alles andere als still und gleichförmig. Ich arbeite ganze Wochen und Nächte durch, bin mal montags in Kassel, dienstags in München, mittwochs in Sömmerda, donnerstags in Bad Langensalza und freitags in Berlin. Ich renne ständig mit mehreren Persönlichkeiten durch die Gegend, weil ich die DJV-Landesvorsitzende von der Journalistin, der PR-Tante, der Trainerin und mir als einfach-nur-ich trenne. Ich genieße mein schnelles, buntes, überraschendes Leben. Es ist wie ein Regal voller Wundertüten. Schon als Kind reichte mir eine nicht, ich wollte immer alle aufmachen, weil in der nächsten immer noch bessere Überraschung warten könnten. Das war ein Grund, Journalistin zu werden: Sich nicht festlegen zu müssen. Jeden Tag einen anderen Beruf ergreifen zu können (wenn auch nur als Zuschauer), von allem ein bisschen lernen, erfahren, sehen, hören, fühlen können. So bin ich immer noch. Vermutlich werde ich immer so sein, und mein Sarg wird eines Tages eine Collage verschiedener Farben, Materialen und Designs sein, weil ich mich nicht festlegen kann. Aber jetzt bin ich 30, und ich stelle fest, das schnell und bunt manchmal auch anstrengend und hektisch sein können, und dass es plötzlich ganz schön ist, spießig zu sein.

 

Irgendwann in den vergangenen Jahren sind plötzlich Pole im Hintergrund meines Lebens entstanden, die mir Ruhestätten geworden sind. Dass ich tatsächlich 30 bin, merke ich auch daran, dass ich diese Pole inzwischen brauche.

 

Ich gehe wandern und habe jede Menge Spaß dabei – vor fünf Jahren undenkbar. Meinen Samstagabend verbringe ich mit dem Versuch, mich an alle Oberhäupter der EU-Staaten zu erinnern – vor fünf Jahren der Inbegriff der Langeweile. Ich gehe gerne mit Freundinnen einen Cocktail trinken und quatschen, ohne vorher oder nachher eine Riesenparty aufzutun – na gut, DAS war mir vor fünf Jahren schon lieber, ich HASSE laute, überfüllte Clubs, in denen man den Barkeeper anschreien muss, um an ein simples Bier zu kommen. Ich gehe zweimal die Woche laufen (und vielleicht irgendwann auch mal ohne Gehpausen) – vor fünf Jahren hat man mich nicht mal zu einem Spaziergang überreden können. Ich bin 30 geworden, und vielleicht auch ein bisschen erwachsen. Vor allem aber bin ich dankbar. Für mein Leben. Für meine Freiheit. Für meine Freunde. Für meine Familie.

 

Und für zwei wirklich denkwürdige Partys – eine in Familie, die so entspannt war, dass dabei kaum ein Foto entstanden ist. Und für die mit Freunden, die die letzten 30 Jahre in einer kleinen Kirche bei Erfurt versammelt haben. Menschen, die mir viel bedeuten, die miteinander aber sonst null Berührungspunkte haben, haben mit mir gefeiert. Freunde, die eigentlich Gäste waren, haben Bar und Küche geschmissen, damit ich einfach nur Gastgeberin sein (und umwerfende Geschenke auspacken) konnte. Dafür: Danke schön! Und damit die Erinnerung daran, wie junge und schön wie alle mal waren, bis zum 40. anhalten: Hier sind die schönsten Fotos der Party. Mit dem allergrößten Dank an Michael Schlutter und Stephanie Weltmann.

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Unerreichbar

Vorgestern war bei mir Unerreichbar-Samstag. Das ist ein Tag, der selten genug vorkommt und mich dann trotzdem in nervöse Zuckungen versetzt. Ein Tag, an dem das Handy aus bleibt (beziehunsgweise ausgeschaltet wird, nachdem der Facebook-Post abgesetzt ist, der erkärt, dass ich ab sofort unerreichbar bin), der Rechner nicht oder erst spät am Abend hochgefahren wird und meine Zeit ganz und gar mir und meinem Liebsten gehört.

 

Theoretisch soll der Unerreichbar-Samstag mir ein Stück Freiheit schenken. Die Freiheit, mich nicht ständig und sofort um alles mögliche zu kümmern, sondern mich auf mich zu konzentrieren. Die Idee ist gut – und geht in die gleiche Richtung wie dieser Post meiner geschätzten Kollegin Livia Schilling. Allein, ich glaube wir zäumen das Pferd von hinten auf.

 

Ich bin doch nicht dauererreichbar, nur weil mein Handy an ist. Ich bin dauererreichbar, weil ich verlernt habe, das Klingen auch mal zu ignorieren. Bei mir nimmt das einigermaßen heftige Formen an. Inzwischen ist das Handy, das keinen Namen hat, weil alle seine benamten Vorgänger erschreckend schnell über den Jordan gingen, deshalb zumindest nachts aus. Aber oft genug ist der erste Gang am Morgen nicht der ins Bad, sondern der zum Handy. Beim Zähneputzen checke ich das erste Mal Mails und die neuesten Facebook-Posts. Das kann man erschreckend finden, ich finde es effizient.

 

Mich enstpannt es nicht das Handy auszumachen. Mich entspannt es, Dinge zu tun, die mir Spaß machen und zu wissen, falls etwas dringend ist, bin ich erreichbar. Mich ständig zu fragen, ob ich gerade einen wichtigen (geldbringenden) Anruf verpasse, versaut mir den Spaß an jedem Ausflug. Davon bekomme ich besagte nervöse Zuckungen. Da habe ich das Handy doch lieber in der Tasche – auf stumm geschaltet vielleicht, aber in Griffweite, um hin und wieder zu kontrollieren, was los ist.

 

„Und ich bin selber eine Geisel der Erreichbarkeit geworden: Gehe nicht mehr ohne Äppelchen aus dem Haus. Verbinde selbiges via Bluetooth mit dem Auto, damit ich dort ungestraft schwatzen kann. Checke in freien Sekunden E-Mails und soziale Netzwerke“ schreibt Livia in ihrem Blog.

 

Ich verstehe, ehrlich gesagt, die Aufregung nicht. Was ist denn schlimm daran, statt im Wartezimmer eines Arztes sinnlos Zeit zu vertrödeln, Mails, Facebook und Twitter zu kontrollieren und zu beantworten? Was ich in der Zeit schaffe, muss ich abends nicht mehr machen. Und es gibt keine effizientere Art, Telefonate zu führen als im Auto. Man wird nicht abgelenkt wie am Schreibtisch, und hat, wenn man am Ziel ankommt, gleich wieder ein paar Dinge geschafft.

 

Ja, ich gehe auch nicht ohne mein Smartphone aus dem Haus, drehe unterwegs sogar wieder um, wenn ich merke, dass ich es vergessen habe. Aber, zur Hölle, dieses Teil ist mein Büro, mein Gedächtnis und mein Herz. Die netten SMS vom Liebsten sind da ebenso drin wie der Kalender, ohne den ich nicht mal wüsste, was ich morgen eigentlich machen soll. Teilweise mache ich Sitzungsnotizen damit, weil ich die – anders als meine tausend Zettel – nicht in genau dem Moment verlegt haben kann, wenn ich sie wieder brauche.

 

Gewiss, ich bin exzessiv, wenn es um mein Handy geht. Ich neige zu grob unhöflichem Verhalten, wenn ich mitten im Gespräch auf mein Handy schaue, sobald es eine neue Facebooknachricht oder E-Mail mit seinem flirrenden Klingeln ankündigt. Aber dafür kann doch um Himmels Willen das Telefon nichts. Liebe Livia, du kannst fordern, dass man Leute wie mich ab und an abschaltet, aber lass doch bitte unsere Smartphones leben!