Tausche Sportler gegen Stalker

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Im Sommer waren Sport und ich noch in der Kennenlernphase. Unser erstes Date fand beim Wandern statt.

Ach ja, die Sache mit dem Sport. Seit acht Wochen gehe ich jetzt ins Fitnessstudio – mal wieder, wie jeder weiß, der diesen Post vom 3. Februar 2010 gelesen hat. Doch diesmal ist es was ernstes. Ich weiß, das sage ich immer. Aber jetzt bin ich mir sicher: Dieser Sport und ich, das ist eine echte Seelenverwandtschaft. Wir werden für immer zusammen sein – oder bis der Tod uns scheidet. Oder bis die Kollegin, mit der ich zwei Mal die Woche in besagtem Fitnessstudio verabredet bin, wieder mit ihrem Sommerprogramm beginnt.

Der Sommer beginnt für sie Anfang März. Das mit dem drei Mal die Woche Radfahren zusätzlich zu den vier Laufeinheiten, die sie ohnehin absolviert, ginge dann schon wieder. Muskelaufbau im Studio sei dann nicht mehr nötig – sagt sie. Für mich könnte das das Ende einer ab sofort lebenslangen Liebe bedeuten, denn ich habe einen sehr eifersüchtigen Stalker, der sich nur vor dieser Kollegin fürchtet. Dieser Stalker hat einen Namen. Sein Name ist Schweinehund. Innerer Schweinehund.

Und er ist gerissen: Er kennt mich schon mein Leben lang und er weiß Dinge über mich, die meine neue Liebe, Herr Sport, erst noch lernen muss. Er weiß, dass ich eine heiße Affäre mit der Couch hatte. Eine dieser On-Off-Beziehungen, von denen man vorher weiß, dass sie einem nicht gut tun, die aber so verführerisch und leidenschaftlich sind, dass man einfach nicht davon los kommt. Innerer Schweinehund weiß auch, dass selektive Wahrnehmung mein zweiter Vorname ist – und kann mir deshalb vorgaukeln, das Treppensteigen zum Büro in den dritten Stock sei ja eigentlich schon ein ausgedehnter Wochenendtrip mit Herrn Sport gewesen.

Wenn die Kollegin also in sechs Tagen zum letzten Mal mit mir zum Training geht, werde ich Anzeige erstatten. Ich fürchte nur, wer Inneren Schweinehund wegen Stalkings anzeigt, könnte vielleicht bei der Polizei nicht so prioritär behandelt werden, wie ich es bräuchte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Dramatik und das gemeingefährliche Potenzial der Situation eindringlich genug werde schildern können.

Klappt das nicht, bleiben mir nur  noch zwei Alternativen. Option Nummer eins: Ich wette mit meinem Büronachbarn, dass ich mein Sportprogramm zwei Mal die Woche auch so durchhalte. Das wäre eine Option, wenn dieser nicht seit Jahren ständig ähnliche Wetten mit einem anderen Kollegen laufen hätte – der ihm seither grob über den Daumen gepeilt dreißig Kisten Champagner schuldet. Eine Schuld, die nie eingelöst wird – ebenso wie der Verlierer je zum Sport gehen wird. Bleibt Option Nummer zwei: Ich finde einen neuen Trainingspartner, der Innerem Schweinehund ebenso viel Angst einjagt wie die Kollegin, die mich jetzt schon durch sieben erfolgreiche Wochen gebracht hat.

Wie sieht es aus: Traut sich jemand zu, mit meinem Stalker fertig zu werden? Wir treffen uns bei McFit in Erfurt – sagt mir nur wann!

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Autor: anitagrasse

Ich bin Journalistin und das ist gut so. Ich schreibe fast so gerne wie ich rede, wenn auch meist etwas überlegter, und ich hasse es, nicht zu wissen, worüber andere reden und was passiert. Biografisches: * 20.05.1983 in Thüringen Ausbildung zur Verlagskauffrau in Augsburg Studium Journalistik in Hannover Praktikum als Journalistin und Fotografin in Oslo Reiseleiterin in Tunesien und auf Gran Canaria Volontärin in Thüringen Freie Journalistin überall

3 Kommentare zu “Tausche Sportler gegen Stalker

  1. Annett Louisan hat mit den Prinzen einen tollen Song über diesen Stalker gemacht („Mein innerer Schweinehund“). In meinem Fitnessstudio spielt ein Trainer den ganz gerne mal im Fitnesszirkel.
    Ich denke, „Trainer“ ist das Schlüsselwort, wenn man den Schweinehund zur Strecke bringen will. Wer in ein Do-It-Yourself-Studio wie McFit geht, muss sich halt den Motivator von draußen mitbringen oder selbst ein begnadeter Hundecoach sein. Studios, in denen man zu festen Zeiten in der Gruppen trainiert, sei es Muskelaufbau (Gerätezirkel), Figurtraining wie BBP, Rückentraining oder Ausdauer (Indoor Cycling), sind zwar teurer, aber dafür nutzt man sein Abo da auch aus. In der Gruppe macht es einfach mehr Spaß, zumal wenn die Trainer gute Musik spielen.

  2. Das mit den Kursen habe ich versucht, aber das artet regelmäßig in Stress aus, weil ich einfach nicht jede Woche um die gleiche Zeit frei habe, um zu einem solchen Gruppenevent zu gehen. Deshalb habe ich mich ganz bewusst für ein Studio entschieden, dass mir maximale Flexibilität bietet. Außerdem muss ich mal eine Lanze für die Trainer hier brechen: Die sind lange da, sehr aufmerksam und hilfsbereit. Mein Problem ist nur eben nicht, mich zu motivieren, wenn ich dort bin, sondern die Motivation aufzubringen, hinzugehen.

  3. Pingback: Büro gefunden, Sportler gesucht | Curcuma Medien

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