Anita rät auch mal Verantwortung zu wagen.

8 Kommentare

Monatelang geschuftet, den Mund fusselig geredet, um Verständnis und Unterstützung geworben, vor Aufregung gezittert und letztlich überzeugt: Die Mitgliederversammlung hat mich gestern zur neuen Vorsitzenden des Landesverband Thüringen im Deutschen Journalisten-Verband  gewählt. Soviel zu der angemessen sachlich-eindringlichen Schilderung. Und jetzt erlaube ich mir einen kurzen Augenblick der Emotionalität und sage: „Ja, STRIKE!“

Gestern war der ganze Tag ein Kampf. Der Landesverbandstag zog und zog sich. Zur Wahl konnten wir erst schreiten, als die Versammlung eigentlich schon wieder vorbei sein sollte. Ich wäre fast gestorben. Selten haben meine Hände bei einer Rede so gezittert. Dazu kam, dass ich mich schon vor der Wahlrede gegen Bedenken wehren musste, und auch danach ein paar Herren die Gelegenheit brauchten, um mich und mein Stehvermögen mit stichelnden Fragen zu testen. Kleines Beispiel gefällig? Ob ich nicht doch lieber noch mal zwei Jahre an die Hand genommen werden möchte? Man sei sicher, ich wüsste nicht wirklich, welch voller Terminkalender auf mich zukäme, der zudem schon in dieser Woche begänne. Wie ich das wohl zu organisieren gedächte?

Doch das war alles nicht so schlimm wie die Warterei vorher. Jetzt weiß ich, was „an den Nerven zerren“ heißt. Die Anspannung hatte einen so festen Knoten in meinem Bauch – und meinem Gehirn gebildet – dass selbst, als feststand, dass ich gewonnen hatte, die Freude auf sich warten ließ. Stattdessen: Hyperventilieren und der kurze Blitz: „Was tust du da eigentlich?“

Heute kenne ich allerdings wieder die Antwort auf diese Frage: „Das Richtige!“ Ich tue das Richtige, denn ich bin sicher, dass es dem DJV in Thüringen gut tut, sich zu verjüngen. Dass Lethargie und Schockstarre angesichts der job- und qualitätsbedrohenden Entwicklungen in den Medienhäusern beizukommen ist, wenn der DJV mit jungen Ideen und Konzepten voran geht, in denen sich alle Mitglieder wiederfinden. Außerdem bin ich ja nicht allein. Heute war ich fast ununterbrochen damit beschäftigt, SMS oder Mails zu beantworten. Aus der ganzen Republik haben mir Kollegen geschrieben und gratuliert. Am besten aber: Aus Thüringen haben sich ganz viele Menschen gemeldet und zwar nicht nur solche, die im DJV aktiv sind – teilweise sogar solche, die nicht einmal Journalisten sind. Das macht Mut.

Sicherheit, zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe, gibt mir aber etwas, oder besser jemand, anderes: Die Kollegen, die mit mir im Vorstand sind und jene, die gestern neu oder wiederholt einen Fachausschussvorsitz übernommen haben und sich auch nicht entmutigen lassen, wenn sie ewig vergeblich nach Mitstreitern suchen. Sie alle haben mir Hilfe angeboten. Ich könne auf sie zählen, haben sie gesagt. Und genau das werde ich tun. Eine Vorsitzende ist keine Einzelkämpferin – und diese hier wäre schön blöd, wenn sie sich dazu machen wollte. Schließlich warten im Vorstand und den Gremien unendlich viel Erfahrung und Kreativität darauf, von mir geweckt zu werden.

Wir wollen neue Wege ausprobieren, wollen gehört werden und gerne auch mal stören. Möglicherweise schießen wir dabei auch mal über das Ziel hinaus und vielleicht machen wir auch mal Fehler. Aber erstens: Auch in der Vergangenheit haben wir Fehler gemacht. Und zweitens, wie war das: Nur wer nichts macht, macht keine Fehler. Anita rät also: Traut euch, Verantwortung zu übernehmen. Im Zweifel gibt es immer Menschen, die mitziehen. Manchmal muss nur einer den Anfang machen.

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Autor: anitagrasse

Ich bin Journalistin und das ist gut so. Ich schreibe fast so gerne wie ich rede, wenn auch meist etwas überlegter, und ich hasse es, nicht zu wissen, worüber andere reden und was passiert. Biografisches: * 20.05.1983 in Thüringen Ausbildung zur Verlagskauffrau in Augsburg Studium Journalistik in Hannover Praktikum als Journalistin und Fotografin in Oslo Reiseleiterin in Tunesien und auf Gran Canaria Volontärin in Thüringen Freie Journalistin überall

8 Kommentare zu “Anita rät auch mal Verantwortung zu wagen.

  1. Toller Text und einmal Genöle: Truppe heißt „Deutscher Journalisten-Verband“ – bitte korrekt sein, damit die „alten Säcke“ keinen Grund zum Klagen haben. 🙂

  2. Hey cool!!! Auch von mir herzlichen Glückwunsch!!! Wusste gar nicht, dass Du Dich zur Wahl hast aufstellen lassen… Wie sieht denn nun Dein Terminkalender aus und was für Aufgaben hast Du als Vorsitzende überhaupt zu erfüllen?!?

  3. Mein Terminkalender ist voll. War er aber vorher auch schon. Ich muss halt nur noch ein bisschen hin und her schieben, um Platz für die neuen Termine zu haben. Außerdem gibt es fähige Stellvertreter und Beisitzer, die Termine übernehmen. Also wirklich alles machbar.

    Was mich zum machen bringt: Gestern hat ein Kollege gesagt: „Der Typ an der Spitze muss die Vision vorgeben“ Meine Vision für den DJV: Mehr Berufsverband als Gewerkschaft, denn auch, wenn Tarifstreit wichtig ist, betrifft er nur noch wenige Journalisten, weil die meisten nicht mehr annähernd nach Tarif bezahlt werden. Also will ich den DJV als Dienstleister für feste wie freie Journalisten stärken: Weiterbildung, Netzwerken, Rechtschutz, Existenzgründungsberatung – und natürlich auch der Streit für faire Honorare und Gehälter.

    @Rainer: wird sofort geändert. Danke.

  4. Das haut mich um: Generationswechsel in einem DJV-Landesverband, BEVOR der alte Chef im Rentenalter ist. Und dann, noch besser, auch noch eine Freie! Chapeau!
    Ich hoffe schwer, Sie schauen am 21. Mai in Neumarkt bei Nürnberg vorbei. Dort wählt der Bayerische Journalisten-Verband (bzw. viele Angestellte und Ruheständler und viel zu wenige Freie) seinen Vorstand. Wenn’s schlimm kommt und keine weiteren Freien sich aufraffen zu kandidieren, gibt’s einen Geschäftsführenden Vorstand ganz ohne Freie (bzw. mit einer 12a-Pauschalistin vom BR als Alibi-Freifrau).
    Die Kolleginnen und Kollegen werden also Augen machen, wenn Sie erscheinen.
    Schade nur, dass ich das nicht miterleben kann. Ich bin an dem Tag bei der Mitgliederversammlung der VG Wort. Aber ich könnte in Versuchung geraten, mich noch mal als Delegierter für den Bundes-Verbandstag aufstellen zu lassen, wenn jetzt aus Erfurt so ein frischer Wind weht.
    Also: Guten Start, viel Erfolg!

  5. Pingback: Frischer Wind aus Erfurt | Froitzheims Wortpresse

    • Die Hieroglyphen tun mir leid. Keine Ahnung, was WordPress da manchmal mit Doppelpunkt und Doppelslash anstellt. Falls mir jemand einen Tip geben kann, wo der Fehler liegt, wäre ich dankbar.

  6. Hier in Erfurt besteht der Vorstand sogar überwiegend aus Freien – aus Print und Rundfunk. Und trotzdem fühlen sich die Freien hier noch immer unterrepräsentiert. Daran werden wir arbeiten. Deshalb schicke ich beste Wünsche und eine große Portion Aufmunterung an die jungen (freien) Kollegen nach Bayern. Ob ich allerdings selber da sein kann, weiß ich noch. Irgendwie sind an diesem Tag gleich mehrere Verbandstage und andere Termine.

    Übrigens, die WordPress-Hieroglyphen sind doch nur ein Ausdruck besonderer Kreativität 😉

  7. Nachträglich herzlichen Glückwunsch! Wünsche dir aus Hamburg gutes Gelingen!

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