Anita rät anmaßenden Menschen ruhig mal die Meinung zu geigen

3 Kommentare

Ich hätte nicht gedacht, dass es sowas wirklich noch gibt. Ich bin vor lauter Wut immer noch sprachlos (naja, theoretisch zumindest). Fasching auf dem Dorf. Eigentlich ein großartiger, wirklich witziger, kreativer und gar nicht platter. So hätte es am Montag in der Zeitung gestanden. Wird es aber nicht, oder zumindest nicht, wenn ich morgen in der Redaktion immer noch so sauer bin.

 

Nach dem Programm habe ich nach irgendjemandem gesucht, der mir mal eben sagt, wen ich eigentlich den ganzen Abend fotografiert habe. Das klappte auch ganz gut. Doch dann, als ich mich verabschieden wollte, hielt mich der „Chef“, der aber nicht der Vereinsvorsitzende ist, zurück: „Jetzt möchte ich Ihnen gerne noch sagen, was ich möchte, dass Sie in die Zeitung schreiben.“ Verdammt, das klingt viel zu nett. Ich kann das gar nicht so unverschämt wiedergeben, wie er es gesagt hat. Jedenfalls erklärte er mir dann, ich müsse den Namen der Vereinsvorsitzenden unbedingt erwähnen. Das wolle er. Ansonsten würde er sich nächstes Jahr eine andere Zeitung holen. (Wird hier im Verbreitungsgebiet schwierig, aber bitte!)

 

Zunächst glaubte ich noch, dass er einfach ein bisschen machomäßig drauf ist und erklärte ihm nett, dass ich das gerne notiere, aber selber entscheide, ob es in meinen Text passt – inhaltlich und mit Blick auf den Platz. Seine Antwort: „Wir hatten sons immer eine halbe Seite“. Vorgetragen mit dem „Das wird ja wohl auch diesmal keiner wagen, anders zu machen.“ Dummerweise fehlten mir an dieser Stelle die klaren Worte, ich stammelte mehr so vor mich hin, dass ich für die Zeitung arbeite und nicht für das Amtsblatt und dass ich nicht versprechen könne, etwas zu schreiben, nur weil er das so wolle. Deshalb an dieser Stelle die wohlgesetzten Worte, die ich vorhin gerne zur Hand gehabt hätte:

 

„Ich mache diesen Job nicht erst seit heute. Ich weiß, was ich tue und wie ich meine Texte zu schreiben habe. Ich nehme Anregungen gerne auf, aber ich lasse mir nichts diktieren und ich lasse mich erst recht nicht unter Druck setzen. Wenn Sie mit dem, was ich schreibe, nicht leben können, und uns kommendes Jahr nicht mehr einladen, dann ist das eben so. Es gibt in der Region weiß Gott genug andere Faschingsveranstaltungen. Und wenn Sie Wert darauf legen, dass genau das steht, was Sie wollen, dann schalten Sie doch eine Anzeige!“

 

Stattdessen werde ich brav den Text schreiben. Ob ich den Namen der grandiosen Vorsitzenden erwähne (die ich hier um Abbitte für den Zynismus bitte, obwohl ich sie gar nicht kenne und sie vielleicht wirklich toll ist), weiß ich noch nicht. Wenn ich das tue, dann aber als Zitat jenes Mannes, der mich so auf die Palme brachte und vielleicht mit den einleitenden Worten: „Wichtiger als das Programm war Herrn XY aber die Leistung einer einzelnen Frau, der Vereinsvorsitzenden.“

 

Anita rät: Anmaßenden, idiotischen Menschen sollte man ruhig mal die Meinung geigen. Meistens braucht man selbst diese Typen weit weniger dringend als man denkt – oder als sie uns brauchen.

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Autor: anitagrasse

Ich bin Journalistin und das ist gut so. Ich schreibe fast so gerne wie ich rede, wenn auch meist etwas überlegter, und ich hasse es, nicht zu wissen, worüber andere reden und was passiert. Biografisches: * 20.05.1983 in Thüringen Ausbildung zur Verlagskauffrau in Augsburg Studium Journalistik in Hannover Praktikum als Journalistin und Fotografin in Oslo Reiseleiterin in Tunesien und auf Gran Canaria Volontärin in Thüringen Freie Journalistin überall

3 Kommentare zu “Anita rät anmaßenden Menschen ruhig mal die Meinung zu geigen

  1. Liebe Anita,
    anmaßenden Menschen ruhig mal die Meinung zu geigen, ist schon okay.
    Dennoch will Dir an dieser Stelle mal ein erfahrener Kollege erzählen, wie er mit der Situation umgehen würde. Da gibt es nämlich zwei Aspekte, die mir Sorgen machen, weil sie zunehmend von jungen Kollegen so gesehen werden, wie von Dir.
    Also, Klaus rät:
    1. Ob wir mit dem Faschingsverein in XY können oder nicht, ob der uns formvollendet einlädt oder nicht – das interessiert unsere Leser einen feuchten Kehrricht. WIR sind die Zeitung und von UNS wollen die Leser wissen, wie der Fasching in XZ war.
    2. Unsere Leser haben oft (weil sie um zeitungsspezifische Details einfach nicht wissen und auch nicht wissen müssen) seltsame Ansichten darüber, was in eine Zeitung/einen Beitrag gehört und was nicht. Idiotisch / Idioten sind sie deswegen noch lange nicht. Ich habe mir in 20 Jahrne TA die Einstellung angeeignet: Mein Verleger gibt mir lediglich den Gehaltsscheck. Meine wahren Arbeitgeber sind die Leser – wenn die unser Blatt nicht mehr mögen, kann ich einpacken. Mit dem entsprechenden Respekt behandele ich sie auch. Und ja: Es gibt einzelne, die wünschte ich mir nicht 😉

    Einen schönen Sonntag,

    Klaus

  2. Hallo Klaus,

    stimmt genau, und weil das so ist, und der Fasching wirklich gut war, schreibe ich das auch. Schließlich können die Aktiven, die wochenlang viel Zeit und Liebe in das Programm gesteckt haben, nichts für diesen Zusammenstoß.

    Wenn aber ein Mensch so königlich-fordern daher kommt und auch nicht von seiner „Ich will das aber“-Haltung abweicht, wenn ich ihm mehrfach, sehr nett, erkläre, dass ich das gerne mitnehme, wenn ich den Platz dafür habe, aber nichts versprechen kann, eben weil es sich um eine Information handelt, die für Leser jenseits dieses Faschingsvereins eher irrelevant ist, dann finde ich das schon ein starkes Stück. Das lässt sich meiner Meinung nach auch nicht mehr mit Nicht-Wissen erklären. Für mich ist das unverschämt. Einem Arzt erklärt man doch auch nicht, dass er die Quatantäne gefälligst nicht zu verhängen habe, weil es ja nicht so wichtig ist, dass man eine ansteckende Tropenkrankheit hat.

    Egal, auf den Kerl bin ich sauer, aber mein Text wird nicht darunter leiden.

    Liebe Grüße
    Anita

  3. Als junge Kollegin, die mit Fasching auf dem Dorf, dank Alach, nur gute Erfahrungen gemacht hat, kann ich Anita nur beipflichten. Anmaßenden Menschen muss man mal die Meinung geigen, wenn die meinen, sie könnten meinen Job besser als ich. ja, wir verdienen unser Geld dank der Leser. Und es macht Spaß, ihre Geschichten zu erzählen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Nein, sie dürfen uns deswegen nicht auf der Nase rumtanzen. Dafür können sie eine Anzeige schalten. Denn der Journalismus sollte sich nie von irgendwelchen Emporkömmlingen diktieren lassen, was in der Zeitung zu stehen hat. Anita, du hast vollkommen richtig gehandelt. Schreibe den Text nach bestem Gewissen und zeige damit den Lesern, dass man Zeitung mit dem Leser zusammen machen kann und dass Fasching auf dem Dorf Spaß macht, wenn man ihn einfach wirken lässt und die Veranstalter der Presse helfen, ihn so zu genießen, wie er ist, ohne Einmischungen und Einflussnahmen. Ich wünsche mir von Lesern, dass sie unserer Arbeit vertrauen und uns nach bestem Gewissen beraten, damit auch sie Spaß am Lesen der Zeitung haben.

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