Anita rät zu wohl dosierten Aggressionen

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Ich glaube, es hackt.  Freitag, 09:03 Uhr, das Ratgeber-Telefon beginnt um 09:00 Uhr. Ergo bin ich zu spät, dem Schnee und Straßenschleichern sei Dank. Also große Hektik. Aus dem Auto zur Drehtür, die mich aufs Redaktionsgelände lassen sollte.  Klingeln, vor die Kamera stellen, damit die Pförtner, die am anderen Ende des Geländes sitzen, mich sehen … und warten. Überlegen, ob die Klingel eingefroren ist und dann mich Schmackes noch mal klingeln … und noch mal … und dann mit dem Finger drauf bleiben. Es ist arschkalt, und die Uhr tickt. Dann irgendwann knackt die Gegensprechanlage und ich muss mich anschnauzen lassen: „Mädel, hier stehen zehn Lkw. Immer mit der Ruhe!“

Ich bin so verblüfft, dass ich gar nichts sage. Das war ein Fehler, denn der Pförtner legt auf … den Knopf für die Drehtür drückt er nicht. Ich denke mir: „Gut, lass ihn die paar Lkw schnell abfertigen“. Da ich vorher daran vorbeigefahren war, wusste ich dass es genau zwei, nicht zehn, waren. Also weiter warten. Inzwischen ist es 09:10 Uhr und es tut sich: Nichts. Stinksauer stapfe ich um das gesamte Gelände und benutze den Haupteingang, wo ich dem unverschämten Pförtner einen bösen Blick zuwerfe, für mehr reicht die Zeit nicht, denn inzwischen ist es fast 09:15 Uhr.  Ich würde so gerne ein bisschen Aggressivität rauslassen, verdammt!

Eine Kollegin sagt zu dieser Episode zwei sehr kluge Sachen: 1. Lass dir von dem nicht den Tag vermiesen. Und 2: Da hat ein Mann ein kleines bisschen Macht – nämlich die, jemanden rein oder frieren zu lassen – und nutzt die schamlos aus. Recht hat sie. Ich glaube nur, dass böse Blicke dagegen nicht helfen. Ich werde mir den guten Mann vielleicht nachher doch noch mal vornehmen. Mal sehen, ob der es genauso lustig findet, von einer fremden Frau als „guter Mann“ bezeichnet zu werden, wie ich, dass er einfach mal so „Mädel“ zu mir sagte.

Ätzende Situationen erfordern ätzende Maßnahmen. Anita rät: Hin und wieder darf man ruhig auch mal aggresiv werden – jedenfalls verbal. Tut man das nicht und setzt konsequent auf Harmonie, nennen einen nämlich sonst fremde, alte Männer ungestraft „Mädel“.

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Autor: anitagrasse

Ich bin Journalistin und das ist gut so. Ich schreibe fast so gerne wie ich rede, wenn auch meist etwas überlegter, und ich hasse es, nicht zu wissen, worüber andere reden und was passiert. Biografisches: * 20.05.1983 in Thüringen Ausbildung zur Verlagskauffrau in Augsburg Studium Journalistik in Hannover Praktikum als Journalistin und Fotografin in Oslo Reiseleiterin in Tunesien und auf Gran Canaria Volontärin in Thüringen Freie Journalistin überall

3 Kommentare zu “Anita rät zu wohl dosierten Aggressionen

  1. Warum fehlt uns immer der Mut zum aggressiv sein? Jeder sollte in einem imaginären Auto sitzen, wenn er Konter geben muss. Da bin ich jedenfalls immer am aggressivsten. Ich werde den Pförtner ab sofort solidarisch auch böse angucken. Und kommt da auch nur ein Wort zu meinem Haarreifen, dann macht der das genau zwölf Mal mit mir und dann teile ich aus.

  2. Und.. bist du nochmal zurueck gegangen und hast ihm Schmackes gegeben? Kann ja wohl nicht wahr sein… was meint der wofuer er bezahlt wird?

  3. Ja, in der Mittagspause. Gott sei Dank hatte ich mich da schon abreagiert und konnte ihn ruhig darauf ansprechen. Er war verwirrt, weil ich seinen Ton unangemessen fand. Das war ihm nicht bewusst. Und zu dem „Mädel“ sagte er nur, ich hätte halt so jugendlich ausgesehen. Na ja, auf jeden Fall hat er sich entschuldigt und das klang authentisch. Ich bin also wieder friedlich.

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